Diese Woche: Bambu Lab droht dem Entwickler eines OrcaSlicer-Forks mit rechtlichen Schritten, Games Workshop versteckt seine Previews, um 3D-Druckern das Handwerk zu legen – und die erste echte Multimaterial-Resin-Drucker mit 8-Wannen-Karussell ist da. Los geht's. 🔥
🔥 Highlight
⚖️ Bambu Lab zwingt OrcaSlicer-Fork zur Abschaltung

Bambu Lab hat dem Entwickler Paweł Jarczak ein Cease-and-Desist-Schreiben geschickt. Jarczak betrieb einen OrcaSlicer-Fork, der eine Direktverbindung zu Bambu-Druckern ohne den Umweg über Bambu Connect ermöglichte – jene Cloud-Schicht, die der Hersteller im Januar 2025 eingeführt hatte. Jarczak hat das Repository daraufhin geschlossen. Der offizielle Vorwurf: Reverse Engineering und „Identitätsvortäuschung" von Bambu Studio durch das Einschleusen von Identitäts-Metadaten.
Das entscheidende Detail: Der Entwickler betont, dass der gesamte Code aus dem eigenen AGPL-3.0-Repository von Bambu Studio stammt. Louis Rossmann hat bereits angeboten, die ersten 10.000 USD der Anwaltskosten zu übernehmen. In der Community vergleicht man Bambu inzwischen mit „dem Nintendo des 3D-Drucks". Wer sich erinnert: Im Weekly #006 berichteten wir über das End-of-Life der X1 Carbon, im #005 über den Launch der X2D – die Strategie zur Kontrolle des Ökosystems läuft seit Monaten.
Die eigentliche Frage: Wem gehört Ihr Drucker, wenn Sie ihn einschalten? Wenn die Antwort mit „kommt auf die Cloud eines chinesischen Herstellers an" beginnt, haben Sie Lesestoff für den Sommer. Den vollständigen Bericht bei Tom's Hardware lesen →
🎲 Miniaturen
🎲 Games Workshop versteckt seine Minis, um den 3D-Druck zu bremsen

Spikey Bits hat diese Woche ein klares Muster dokumentiert: Games Workshop veröffentlicht Previews teurer Kits (Defiler, Knight Destrier, kommende Armageddon-Releases) nur aus eingeschränkten Blickwinkeln, ohne 360°-Ansicht und kaum Rückansichten. Die These: ein gezielter Schachzug gegen Bildhauer, die solche Bilder als Referenz für alternative STL-Dateien nutzen. Wer im Weekly #002 über die Ankündigung der 11. Edition von 40K gelesen hat, weiß: Der parallele STL-Markt ist seitdem nicht kleiner geworden.
Eine interessante Randnotiz: Games Workshop selbst druckt seit Jahren seine bemalten Mastermodelle für Promo-Fotos auf 3D-Druckern. Die Lage ist dieselbe wie bei Bambu Lab und OrcaSlicer: Der Plattforminhaber entscheidet, was sichtbar ist – und was nachgebaut werden darf.
Die Frage, die sich alle stellen: Wird Games Workshop jemals einen eigenen offiziellen STL-Shop eröffnen? Die Entwicklungen der letzten Wochen sprechen dagegen – doch der Markt bewegt sich auch ohne sie. Für das Bemalen Ihrer vorhandenen Miniaturen finden Sie bei Vallejo Game Color und Artis Opus alles, was Sie brauchen. Zur vollständigen Analyse auf Spikey Bits →
🎨 Hobby
🎨 SoulCrafted Slicer: MyMiniFactory startet Open-Source-Resin-Slicer
Während Bambu Lab OrcaSlicer-BambuLab schließt, geht MyMiniFactory den entgegengesetzten Weg: Crowdfunding-Kampagne über 500.000 USD für den SoulCrafted Slicer – ein zu 100 % Open-Source-Resin-Slicer unter AGPL-3.0-Lizenz. Keine Telemetrie, keine Pflicht zur Cloud, keine hinter Abonnements gesperrten Funktionen. MyMiniFactory hat bereits 100.000 USD als Startkapital eingebracht. Dies ist die logische Fortsetzung der Entwicklung, die wir in Ausgabe #006 behandelt haben, als MyMiniFactory Thingiverse übernahm.
Der Slicer wird als direkte Antwort auf Lychee Gen (den KI-Generator, den Lychee Slicer vorantreibt) und das Daten-Harvesting kommerzieller Slicer positioniert. Er soll fortschrittliche Stützengenerierung und einen Marktplatz für geteilte Profile bieten. Das knüpft direkt an das Thema generative KI in Slicern aus Ausgabe #003 an: Die Branche spaltet sich zwischen „geschlossener Hersteller-KI" und „community-gesteuertem Open Source".
Release geplant für Q1 2027. Kein fertiges Produkt heute, sondern eine klare Absichtserklärung. Für die Resin-Welt – die seit Jahren Chitubox und Lychee als Duopol kennt – ist das eine enorme Nachricht. Wenn Sie Ihren Resin-Workflow schon jetzt optimieren möchten, laden Sie sich das Anycubic Resin-Feldhandbuch herunter (48 Seiten, Code MANUAL-GRATIS). Zum Bericht auf 3D Printing Industry →
🔧 Hardware
🔧 Anycubic senkt den Preis der Kobra X – und die Kobra 4 ist bereits geleakt

Kaum Wochen nach den ersten ausgelieferten Einheiten der Anycubic Kobra X (offenes CoreXY-System, integriertes ACE Gen2, 4 Farben, laut Anycubic um 81,25 % reduziertes Purging) senkt der Hersteller den Preis direkt um 100 USD. Gleichzeitig ist auf der Anycubic-Website bereits eine „Coming Soon"-Seite für die Kobra 4 Combo aufgetaucht.
Das hohe Veröffentlichungstempo beunruhigt Teile der Community: Die Kobra S1 bereitet noch immer Probleme, während der Hersteller schon das nächste Modell ankündigt. Wer kurz vor dem Kauf einer S1 steht oder auf die Kobra 3 gewartet hat, sollte diesen Schritt zweimal überdenken, bevor er auf „Kaufen" klickt.
Unsererseits sind wir offizieller Anycubic-Distributor in Spanien. Sobald die offiziellen Specs der Kobra 4 verfügbar sind, berichten wir als Erste – und wir werden die gesamte neue Produktlinie auf Lager haben. In der Zwischenzeit sind die Anycubic-Harze und die Filamente für FDM-Drucker bereits versandbereit. Zum Bericht auf Creative Bloq →
🤖 WTF-Wissenschaft
🤖 Polysynth P1: der erste Multimaterial-Resin-Drucker mit 8-Wannen-Karussell
Der Multicolor-Wettkampf erreicht endlich die Resin-Welt. Das 2025 gegründete und von Founders Inc. unterstützte Startup Polysynth hat die Vorbestellungen für die P1 zu 4.999 USD geöffnet. Das Besondere: Statt einer einzigen FEP-Folie setzt die P1 auf ein Karussell mit bis zu 8 kleinen Wannen. Zwischen den einzelnen Druckvorgängen sorgt ein zum Patent angemeldetes Reinigungsverfahren kombiniert mit einem Hochgeschwindigkeitsspin dafür, dass überschüssiges Harz abgeschleudert wird – für saubere Materialwechsel ohne Kreuzkontamination.
Die gezeigten Demos sind beeindruckend: Drucke mit leitfähigen Harzen (mehrschichtige Leiterplatten), Dentalanwendungen mit starrem Zahnfleisch und transluzentem Zahn in einem einzigen Druck sowie vollfarbige Dioramen ganz ohne Nachbemalung. Wichtig: Bisher handelt es sich um Herstellerversprechen – unabhängige Tests mit einem echten Gerät gibt es noch nicht.
Wenn Snapmaker den Multicolor-FDM-Druck mit 4 Druckköpfen eröffnet hat und MOVA das auf 12 gesteigert hat, macht Polysynth dasselbe nun für Resin-Drucker. In 12–18 Monaten wird das auf Prosumer-Preise fallen. Zur Erinnerung: Bis dahin sind die Standard-SLA-Harze nach wie vor die praktische Wahl für den Heimarbeitsplatz. Details bei Hackaday →
💬 Unser Fazit der Woche
Diese Woche kristallisiert sich ein Muster heraus, das wir seit März beobachten: Plattformbetreiber schließen sich ab – Communities öffnen sich. Bambu Lab blockiert einen Open-Source-Fork. Games Workshop versteckt Fotos, um STL-Dateien einzudämmen. Gleichzeitig launcht MyMiniFactory SoulCrafted, und Polysynth öffnet die Tür zu einer Multimaterial-Zukunft ohne versteckte Patente.
Der Markt spaltet sich in zwei Lager: geschlossene Hochleistungs-Ökosysteme (Bambu Lab, Anycubic, Vortek) versus community-getriebene Open-Source-Ökosysteme (Klipper, Orca, SoulCrafted). Für Resin-Maker ist dieses Jahr der richtige Moment, um zu entscheiden, auf welcher Seite Sie stehen möchten. Wir bleiben an vorderster Front: Harz, kostenlose Tools und Newsletter. 💪