Heygears G1 und Heygears G1X – Wirklich eine Revolution?

la G1X de Heygears con la G1 y diferentes productos impresos

Eine Ankündigung, die mich aufhorchen lässt

Wer schon länger Resin-Modelle bemalt, kennt das Ritual: waschen, aushärten, grundieren, maskieren, airbrush, lackieren. Stundenlange Arbeit für jedes einzelne Modell. Wenn dann eine Maschine verspricht, das alles zu überspringen und das Modell bereits fertig eingefärbt direkt aus der Druckwanne zu holen, ist Skepsis völlig berechtigt. Vorweg: Ich habe dieses Gerät nicht in meinem Workshop. Das hier ist eine Analyse der Ankündigung und der veröffentlichten Specs – keine Review. Ich sage klar, was mich überzeugt und was mich stutzig macht, aber ohne Erfahrungen vorzutäuschen, die ich nicht habe.

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Das Gerät heißt HeyGears G1, und sein großer Bruder ist der G1X. HeyGears, ein Unternehmen aus Guangzhou, das sich auf 3D-Druck und digitale Fertigung spezialisiert hat, hat Vorbestellungen für seine G1-Serie vor einem für Juli geplanten Kickstarter-Launch eröffnet. Das System ist kompakt ausgelegt, für Vollfarbmodelle im 3D-Druck, Relieftexturen bis 5 mm sowie 2D-UV-Druck – und produziert farbige Modelle direkt aus der Wanne, ganz ohne manuelles Bemalen. Klingt auf dem Papier nach Desktop-Science-Fiction. Schauen wir uns das Ganze genauer an.

Was genau ist der HeyGears G1 – und wie unterscheidet er sich vom G1X?

Der HeyGears G1 ist ein Tischdrucker, der 2D-UV-Druck, Relieftexturen bis 5 mm Höhe und – in seiner vollständigen Ausbaustufe – den Aufbau vollständig farbiger 3D-Modelle per Material Jetting kombiniert. Der wesentliche Unterschied: Der G1 verwendet einen F1080-Druckkopf mit 6 Kanälen, der auf UV-Druck ausgelegt ist, während der G1X mit einem industriellen Epson i3200 mit 8 Kanälen ausgestattet ist, der echten 3D-Vollfarbdruck ermöglicht.

tabla comparativa de precios de los modelos G1 d Heygears

Hier steckt der entscheidende Haken, den fast niemand klar kommuniziert. Die Maschine, die in den Schlagzeilen als „weltweit erster Desktop-Drucker für 3D- und UV-Vollfarbdruck" gehandelt wird, ist tatsächlich nur die Spitzenvariante: Vollständig eingefärbte 3D-Objekte erfordern die Resin Station – und das günstigste Paket, das sie enthält, ist das G1X Full-3D Pack. Heißt: Der Einstiegspreis gibt Ihnen das Highlight-Feature nicht. Das sollte man wissen, bevor man sich zu früh begeistert.

Die drei Arbeitsmodi im Überblick:

  • 2D-UV-Druck: hochauflösende Oberflächendekoration auf flachen Substraten – ideal für Branding, Beschilderung und individuelle Personalisierung.
  • 3D-Relieftexturen: taktile Oberflächen und Reliefeffekte bis zu 5 mm Höhe.
  • Vollfarb-3D-Druck: Im 3D-Modus baut der G1X Modelle Schicht für Schicht mit einem speziellen Tintensystem auf (CMYK + doppeltes Weiß + wasserlösliches Stützmaterial + Transparent) – das Ergebnis sind farbige Modelle ohne manuelles Bemalen, mit Farbe innen und außen.

Was mich an der Ankündigung aufhorchen lässt: Das ist kein simples „Farbe auf das fertige Modell drucken". Im 3D-Modus werden wahrscheinlich nicht dieselben Farbtreue-Werte erreicht wie im 2D-Modus, da andere Tinten zum Einsatz kommen. Das bedeutet auch, dass sich ein 3D-Objekt vermutlich nicht im selben Druckauftrag anschließend per UV einfärben lässt. Wichtiges Detail: Es sind getrennte Workflows – keine vereinte Magie.

Wie funktioniert der echte 3D-Vollfarbdruck des G1X?

Der G1X ist weder ein MSLA- noch ein FDM-Drucker. Er arbeitet per Material Jetting: Der Epson i3200-Druckkopf schießt 3,9-Pikoliter-Tröpfchen aus lichtaushärtendem Harz oder Tinte, die sofort per UV-Licht ausgehärtet werden – die Farbe steckt also im Inneren des Objekts, nicht als Schicht oben drauf. Im Grunde dasselbe Prinzip wie bei den industriellen PolyJet-Druckern von Stratasys, nur in einem kompakten Tischgehäuse.

Technisch gesehen verwendet der G1X einen Epson i3200-Druckkopf mit 3.200 Düsen, 3,9-pL-Tropfen und einem 8-Kanal-Tintensystem. Fabbaloo beschreibt es treffend: Neben der UV-Fähigkeit von 5 mm druckt dieses System Harzschichten von 0,01 bis 0,20 mm – genau wie ein normaler Resin-Drucker – und verwendet offenbar denselben i3200-Druckkopf mit 1440 × 2400 dpi Auflösung sowohl für UV-Tinte als auch für 3D-Harz. Das ist der Teil, der mich wirklich fasziniert: Das ist kein Coaster-Drucker auf Steroiden, sondern ein echter Versuch, Material-Jetting in ein Tischgerät zu packen.

Der Preisvergleich ist ernüchternd. Der G1X Full-3D kostet 3.299 Dollar – das klingt zunächst deutlich teurer als ein Desktop-FFF-System, ist aber erheblich günstiger als vergleichbare Systeme mit ähnlichem Leistungsumfang, nämlich die PolyJet-Drucker von Stratasys und Mimaki, die beide nahezu fotorealistische Objekte produzieren können. Zum Vergleich: Die nächste Maschine, die das leisten kann, was dieses Paket verspricht, ist ein Mimaki-System für rund 50.000 Dollar. Wenn der G1X auch nur die Hälfte seines Versprechens hält, ist der Preisunterschied schlicht nicht zu ignorieren.

Preise, Bauvolumen und das Kleingedruckte

Der HeyGears G1 startet bei 1.699 Dollar zum VIP-Vorbestellungspreis, echter 3D-Farbdruck ist jedoch erst mit dem G1X Full-3D Pack für 3.299 Dollar VIP möglich (zukünftiger Listenpreis: 5.499 Dollar). Die 50-Dollar-Anzahlung ist vor dem Launch erstattungsfähig; der Versand ist für 2026 geplant.

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Die konkreten Zahlen: Der G1 startet bei 1.699 Dollar zum VIP-Vorbestellungspreis gegenüber einem UVP von 2.699 Dollar; der Kickstarter wird für Juli erwartet. Und dieser Einstiegspreis kauft – Achtung – einen leistungsfähigen Flachbett-UV-Drucker mit bis zu 5 mm Reliefstruktur. 3D-Farbmodelle gibt es mit dem Basispaket nicht.

Beim Bauvolumen gibt es eine Verwechslung, die sich lohnt aufzuklären. Die in den Schlagzeilen genannten 150 mm „Modellhöhe" beziehen sich auf das kleine Druckbett, nicht auf das große: Wer gleichzeitig das breite Bett und die volle Höhe nutzen möchte, bekommt beides nicht in einem einzigen Druckjob. Genau diese Art von Detail versteckt ein Hersteller gerne in den technischen Daten, um zu beeindrucken – zwingt einen in der Praxis aber zur Wahl. Für den UV-Druck auf Objekte gilt für beide Druckbetten dieselbe Relieftiefe von 5 mm; das volle 3D-Volumen erscheint nur in der Spalte des Full-3D Packs. Die Starter-Pakete listen lediglich die flachen Druckflächen auf – passend zu dem, was sie tun: Oberflächen veredeln, keine Modelle aufbauen.

los 5 incluidos en la G1 de Heygears

Den „3×-schneller"-Anspruch sollte man ebenfalls mit Vorsicht genießen. HeyGears stützt seine 3×-UV-Geschwindigkeitsaussage auf interne Tests gegenüber Desktop-UV-Druckern, die mit einem einzelnen F1080/XP600-Druckkopf ausgestattet sind. Im Klartext: Es ist ein Vergleich, den das Unternehmen selbst gegen das für sie günstigste Szenario gewählt hat. Das ist keine Lüge – aber auch keine Zahl, auf die man sich ungeprüft verlassen sollte.

Verbrauchsmaterial und Wartung: der entscheidende Faktor

Bei jedem Inkjet-Drucker ist der Druckkopf ein Verschleißteil – und die Tinten bestimmen die Betriebskosten. HeyGears gibt Druckkopf-Standzeiten von 6–12 Monaten für den G1 und 12–24 Monaten für den G1X an, veröffentlicht jedoch keinen Ersatzpreis. Auch das Harz-Set für den 3D-Farbdruck hat noch keinen angegebenen Preis. Diese Unbekannte ist das größte Risiko der Maschine.

Tabelle mit dem Preis pro ml des Harzes der HeyGears G1 Series

Hier beginnt meine Begeisterung zu erlahmen. Der Druckkopf ist ein Verbrauchsteil: HeyGears veröffentlicht zwar Lebensdauern (6–12 Monate beim G1, 12–24 beim G1X) – ähnlich wie FDM-Drucker Düsengrößen angeben –, aber keinen Ersatzpreis.

Das Verstopfungsschutz-System ist das überzeugendste Argument der Ankündigung – zumindest auf dem Papier. Das von HeyGears entwickelte UV-Tintensystem heizt den Druckkopf auf, um eine niedrige Viskosität zu gewährleisten und Verstopfungen zu vermeiden; gleichzeitig wird die weiße Tinte gerührt, um ein Absetzen des Pigments zu verhindern. Darüber hinaus reinigt sich die G1-Serie nach 3 Tagen Inaktivität automatisch und schaltet bei längeren Pausen auf automatische Düsenbenetzung um. Funktioniert das zuverlässig, löst es die klassische Schwachstelle von Inkjet-Systemen: den Drucker eine Woche stehen lassen und dann einen toten Druckkopf vorfinden. Das ist genau das Versprechen, bei dem ich am gespanntesten bin zu sehen, ob es hält – denn davon hängt ab, ob die Maschine wirklich nutzbar ist oder nur ein teurer Briefbeschwerer.

Positionierung in einem plötzlich überfüllten Markt

Vor zwei Jahren existierte diese Kategorie kaum, heute ist sie voll besetzt. Die eufyMake E1 brach 2025 den Kickstarter-Finanzierungsrekord und ist seit Mai 2026 im Handel; die xTool O1 Omni ist für einen Launch im Juli/August angekündigt, bisher ohne veröffentlichten Preis; und die OMTech Spectra A3+ ist ein weiterer Texturdrucker, der bereits erhältlich ist. Der Unterschied beim G1X: Fast alle Konkurrenten sind im Grunde Oberflächendrucker. Im Bereich des vollfarbigen 3D-Drucks ist der FlashForge CJ270 der einzige andere Desktop-Mitbewerber – und der ist noch nicht erhältlich.

3 Beispiele für Vollfarb-Drucke der HeyGears G1 Series

Gegenüber klassischen MSLA-Resindruckern – Phrozen, Anycubic, Elegoo – verfolgt die G1 Series einen anderen Ansatz. Sie konkurriert eher mit Desktop-SLA/DLP-Systemen dieser Hersteller, ergänzt diese aber um eine integrierte UV-Druckfähigkeit, die jenen Plattformen fehlt. Allerdings sollte man nicht erwarten, dass sie den eigenen Resindrucker für die Serienproduktion ersetzt: Spekulativ gesprochen wird sie einer guten MSLA bei der günstigen Massenproduktion von Armeen nicht das Wasser reichen – sie ist wahrscheinlich nicht die richtige Maschine, um 200 graue Goblins für ein paar Cent das Stück zu drucken. Dafür hat man schließlich seinen bewährten MSLA-Drucker und seinen Kanister Resin.

So spektakulär es auch ist, Farbe direkt aus der Wanne zu holen – für alltägliche funktionale Anwendungen wie Gehäuse, Prototypen mit Clips oder Teile, die Handhabung aushalten müssen, braucht man weiterhin Materialien mit soliden mechanischen Eigenschaften. Ein halbflexibles Harz wie das Anycubic Tough 2.0 Resin, gedruckt auf einem herkömmlichen MSLA-Drucker, kommt auf einen Bruchteil der Kosten pro Teil und hält den Alltagsgebrauch aus – etwas, das eine auf Präsentation ausgerichtete Material-Jetting-Maschine gar nicht erst beansprucht zu leisten. Jedes Werkzeug hat seinen Zweck.

Das KI-Ökosystem: echter Mehrwert oder reines Marketing?

HeyGears integriert KI in das System – und das erscheint mir in diesem Fall keine leere Worthülse. Mit HeyVerse AI und Blueprint Studio versprechen sie, dass Nutzer Modelle aus Text oder Bildern generieren oder 2D-Grafiken mithilfe einer Ressourcenbibliothek in 3D-Texturen umwandeln können – ganz ohne Modellierkenntnisse. Für die Zielgruppe – Kreative und Kleinunternehmen, die physische Produkte erstellen möchten, ohne sich mit CAD auseinanderzusetzen – ergibt das echten Sinn. Die Einstiegshürde sinkt, und der Weg von einer Idee zu einem farbig gedruckten Objekt wird möglich, ohne CAD beherrschen oder zusätzliche Bemalungsschritte durchführen zu müssen.

Außerdem gibt es ein Positionierungssystem, das für die Serienproduktion interessant klingt. Der Workflow umfasst Zeilenscan-Bildgebung zur automatischen Objektpositionierung, Kantenerkennung und Design-Ausrichtung. Wer den ganzen Tag Tassen oder Handyhüllen bedruckt, spart sich das manuelle Kalibrieren von Stück zu Stück – und das ist bares Geld.

Häufig gestellte Fragen

Ersetzt der HeyGears G1 meinen normalen Resin-Drucker?

Nein, und das ist auch nicht sein Anspruch. Es handelt sich um eine völlig andere Geräteklasse und keinen 3D-Drucker im herkömmlichen Sinne. Das Gerät ist für fertige Objekte gedacht, bei denen Farbe, Textur und Präsentation im Vordergrund stehen. Für die günstige Serienfertigung einfarbiger Miniaturen bleibt Ihr MSLA-Resin-Drucker effizienter und wirtschaftlicher pro Stück.

Wie viele Farben kann das Gerät tatsächlich wiedergeben?

HeyGears spricht beim G1X mit seinem 8-Kanal-System von Millionen von Farben – eine Angabe des Herstellers, die man mit der gesunden Skepsis gegenüber Eigenaussagen bewerten sollte. In 2D ist die Farbraumabdeckung sehr hoch, im 3D-Modus sinkt sie jedoch spürbar: Beim vollfarbigen 3D-Druck fällt die Gamut-Abdeckung laut HeyGears' eigenen Daten deutlich geringer aus als im 2D-Modus. Für auffällige Figuren und Prototypen ausreichend, aber nicht identisch mit der Farbtreue des 2D-Modus.

Auf welchen Materialien kann im UV-Modus gedruckt werden?

Hochauflösender Direktdruck auf über 400 kompatiblen Materialien, darunter Metall, Acryl, Holz, Leder und Keramik. Mit optionalem Zubehör kommen Zylinderbedruckung (Tassen), Roll-to-Film und DTF für Textilien hinzu. Ein enormes Materialspektrum – wobei jedes Material seine eigene Kalibrierung erfordert.

Ist es sinnvoll, jetzt eine Anzahlung zu leisten?

Die Anzahlung von 50 US-Dollar ist vor dem Launch rückerstattbar, das direkte finanzielle Risiko ist also gering. Dennoch sollte man den Kickstarter-Preis eher als Beta-Zugangspreis verstehen, nicht als Preis eines ausgereiften Produkts. Prüfen Sie vor einem Produktionseinsatz unbedingt, ob das lösliche Stützmaterial-System und die UV-Tintenhaftung Ihren Anforderungen entsprechen. Der Zeitplan („2026", ohne Monatsangabe) bleibt die eigentliche Unbekannte.

Wie hoch ist das Vaporware-Risiko?

Geringer als bei einem unbekannten Hersteller. HeyGears ist ein acht Jahre altes Unternehmen, das Resin-Drucker für den Dentalbereich und die Audioindustrie liefert – das reduziert das Vaporware-Risiko. Das Terminrisiko ist jedoch real, und im Kleingedruckten steht, dass die Spezifikationen vor der Massenproduktion „abweichen können".

Mein Fazit zur Ankündigung

Wenn der G1X hält, was er verspricht – echter 3D-Farbdruck, ein Druckkopf, der sich wirklich selbst reinigt und nicht bei jedem Stopp versagt, sowie Tinten, deren Preis die Kalkulation nicht sprengt –, dann hat HeyGears etwas auf den Schreibtisch gebracht, das bisher fünfzigtausend Dollar gekostet hat. Das würde die Spielregeln für kleine Studios und Produktentwickler grundlegend verändern. Sollten die Tinten jedoch überteuert sein, der Druckkopf sich zu einem teuren Verschleißteil entwickeln, das alle paar Monate zu versteckten Kosten ausgetauscht werden muss, oder die Farbtreue im 3D-Modus hinter dem zurückbleiben, was die Renders suggerieren, wird es eine weitere Maschine mit beeindruckenden Specs sein, die im realen Produktionseinsatz nicht aufgeht. Die Technologie überzeugt mich – was mich skeptisch macht, ist alles, wofür es noch keinen veröffentlichten Preis gibt. Wer warten kann, fährt gut damit: Lassen Sie die erste Kickstarter-Charge erst Zahlen zu Stückkosten und Druckkopf-Haltbarkeit liefern, bevor Sie 3.299 Dollar investieren. Das ist schlicht die vernünftige Entscheidung.

Viel Spaß beim Drucken 😎