Diese Woche startet mit zwei wichtigen Launches am selben Tag: Bambu Lab stellt den A2L vor, seinen neuen großformatigen Bedslinger mit 330 mm und einem Cricut-ähnlichen Schneidmodul, und Creality zeigt den KliTek, eine modulare Architektur mit Düsenwechsel in 5 Sekunden. Außerdem: ein japanisches Harz, das 10-mal recycelt werden kann, die EPFL druckt ein menschliches Ohr mit holografischem Licht, und Stratasys kauft Markforgeds FFF-Sparte für 42,5 Millionen Dollar. Los geht's. 🔥
🔥 Highlight
🖨️ Bambu Lab A2L: der großformatige Bedslinger für 469 $ – ab heute erhältlich

Heute, am 1. Juni 2026, bringt Bambu Lab den A2L weltweit auf den Markt: ein großformatiger Bedslinger mit einem Druckvolumen von 330 × 320 × 325 mm, einer Geschwindigkeit von bis zu 500 mm/s, einem geschlossenen PMSM-Servomotor, einem adaptiven Schwingungskompensationssystem und zwei physisch ins Chassis integrierten Granulat-Dämpfern. Bambu Lab nennt ihn intern auch „H2S Lite", da er einen Großteil der H2S-Technologie übernimmt – jedoch zum halben Preis: 469 USD / 379 EUR für den Drucker allein, 569 USD / 489 EUR im Kombi-Paket mit AMS Lite.
Das Detail, das niemand vorab geleakt hatte: Blade-Cutting- und Pen-Plotting-Modul. Der A2L ist nicht nur ein 3D-Drucker – mit dem Schneid-Zubehör wird er zur Schneidemaschine im Cricut-Stil für Vinyl, Papier, Leder, Stoff und Sticker; mit dem Plotter-Zubehör zeichnet er mit einem Kugelschreiber. Bambu positioniert ihn als „Creative Playground. Extra Large." und richtet ihn an das Familien-, Hobby- und Cosplay-Segment, nicht an die technische Fertigung. Deshalb heizt das Druckbett nur auf 80 °C auf (ausreichend für PLA und PETG, nicht für ABS oder technische Filamente) und deshalb ist der Rahmen offen, nicht geschlossen.
Mit vier Standard-AMS-Einheiten und einem angeschlossenen AMS Lite kann der A2L bis zu 19 Farben in einem einzigen Objekt drucken. Das, kombiniert mit dem X2D, den wir im Weekly #005 vorgestellt haben, zeigt deutlich, dass Bambu Lab den Multicolor-Wettbewerb auf zwei Fronten vorantreibt: High-End mit Dual-Nozzle (X2D) und Consumer-Bereich mit erschwinglichem Bedslinger (A2L). Was nicht enthalten ist und vor dem Kauf bekannt sein sollte: kein Dual-Nozzle, keine Laserunterstützung, kein On-Device-KI, kein geschlossenes Gehäuse.
Die vollständige Analyse des Druckers, seine Vor- und Nachteile, die Einsatzmöglichkeiten und warum Bambu das Schneidmodul als Überraschung zurückgehalten hat, finden Sie hier ausführlich erklärt: Bambu Lab A2L – vollständige Launch-Analyse →
🔧 Hardware
🔧 Creality KliTek: Düsenwechsel in 5 Sekunden und TPU 80A im Flug

Am 29. Mai stellte Creality offiziell den KliTek vor, seine modulare Düsenwechsel-Architektur für eine neue Generation von Consumer-Druckern mit Multicolor- und Multi-Material-Unterstützung, die 2026 erscheinen soll. Das Konzept ist elegant: Statt den gesamten Druckkopf zu wechseln – was das Gewicht erhöht, die Kalibrierung erschwert und den Druck verlangsamt – wird nur der Düsensatz ausgetauscht, der nur ein Fünftel des Gewichts des kompletten Druckkopfs wiegt. Der Wechsel dauert 5 Sekunden. Und der Filamentweg bleibt zur Diagnose sichtbar.
Das wirklich Spannende liegt im Bereich Extrusion. Creality stellt außerdem sein patentiertes S-Drive Dual-Extruder-System vor: Ein Haupt-Extruder zieht das Filament, während ein sekundärer Extruder an der Rückseite es synchron nachschiebt. Das Ergebnis: TPU 80A (extrem weich, normalerweise ein Albtraum) fließt stabil mit 3 mm³/s — dem Dreifachen des Branchendurchschnitts. Und TPU 95A erreicht 15 mm³/s, siebenmal mehr als die meisten Consumer-Drucker, die bei 2–3 mm³/s verstopfen. Das macht den Druck mit flexiblen Filamenten von einer zähen Geduldsprobe zu einem realistisch schnellen Prozess.
Ein weiterer Trick, den KliTek einführt, ist das Mischen verschiedener Düsendurchmesser innerhalb eines einzigen Drucks: Außenwände mit 0,4 mm für Details, Infill mit 0,8 mm für Geschwindigkeit. Die Zeitersparnis bei großen Bauteilen kann enorm sein. Ein wichtiger Hinweis: KliTek ist die Architektur, nicht der Drucker selbst — Creality hat noch kein Modell, kein genaues Datum und keinen Preis für das finale Produkt angekündigt. Es handelt sich um einen technischen Teaser und eine Roadmap-Positionierung. Die Richtung ist jedoch klar: Creality, das wir zuletzt im Weekly #009 als HKEX-gelistetes Unternehmen vorgestellt haben, tritt mit seiner eigenen technischen Antwort auf AMS/CFS in den Mehrfarb-Wettbewerb ein.
Die vollständige Analyse des KliTek-Systems, was sich gegenüber dem aktuellen CFS ändert und was das für den Mehrfarb-Drucker-Markt bedeutet, finden Sie hier: Creality KliTek — Was es ist und warum es wichtig ist →
🧪 Materialien
🧪 Japanisches recycelbares Harz: drucken, schmelzen und 10-mal wiederholen

Die Berichterstattungswelle kam diese Woche, obwohl das zugrundeliegende Paper bereits im Februar in ACS Omega veröffentlicht wurde. Forscher der Yokohama National University (Team von Professor Shoji Maruo) haben ein auf Anthracen basierendes lichthärtendes Harz entwickelt, dessen Chemie etwas ermöglicht, das bisher Science-Fiction für MSLA/DLP war: das fertige Bauteil durch Hitze aufzuschmelzen (15 Minuten bei 150 °C) und es mehr als zehnmal ohne chemische Zusätze und mit minimalem Qualitätsverlust neu zu drucken.
Der Trick liegt in der reversiblen Photodimerisation des Anthracens: UV-Licht erzeugt die Bindungen, die das Harz aushärten, und kontrollierte Wärme bricht sie wieder auf, ohne die Polymerkette zu zerstören. Die Forscher demonstrierten den Zyklus, indem sie einen Würfel druckten, ihn aufschmolzen, als Scheibe neu druckten und den Vorgang wiederholten. Außerdem druckten sie die Buchstaben YNU zehnmal hintereinander mit demselben Harz. Das Verfahren funktioniert sowohl bei der Einphotonen-Stereolithographie als auch bei der Zweiphotonen-Stereolithographie (dem Hochpräzisionsverfahren für die Forschung).
Das ist wirklich bedeutsam. Flüssige und ausgehärtete Harzreste sind eines der größten Umweltprobleme beim MSLA-Druck — zusammen mit dem Fabbaloo-Artikel über water-washable Harz aus Weekly #009 und dem AmeraLabs-Sicherheitsleitfaden aus #001 wächst die Debatte über die Umweltauswirkungen von Fotopolymerharz seit Jahren. Ein Harz, das zehnmal ohne Zusätze recycelt werden kann, verändert die Kosten- und Umweltbilanz grundlegend.
Ein wichtiger Hinweis: Es handelt sich um akademische Forschung, kein kommerzielles Produkt. Kein Markenname, kein Preis, keine Verfügbarkeit. Aber die Richtung stimmt – und wenn die Industrie eine Lizenz erwirbt, könnte dies das Verbrauchsmaterial der nächsten Dekade im Harz-Bereich neu definieren. Zum Bericht auf 3D Printing Industry →
🤖 Wissenschaft WTF
🤖 Die EPFL druckt ein menschliches Ohr mit holografischem Licht in Sekunden
Heute gesellt sich ein weiteres wichtiges Puzzlestück zum Thema Biodruck, das wir mit der koreanischen Hornhaut aus Weekly #010 eröffnet haben. Das LAPD-Labor der EPFL (Lausanne, Schweiz) veröffentlichte in Light: Science & Applications einen bahnbrechenden Fortschritt im volumetrischen 3D-Druck: Mithilfe von phasenkontrolliertem holografischen Licht haben sie ein menschliches Ohr in Originalgröße aus Gelatineharz mit einem gerade einmal 150-mW-Laser gedruckt – und das in Sekunden.
Um zu verstehen, warum dies Science-Fiction zum Leben erweckt, muss man sich die traditionelle volumetrische Belichtung (TVAM) vor Augen führen: Lichtmuster werden aus mehreren Winkeln in ein Gefäß mit fotosensitivem Harz projiziert, und das Objekt härtet vollständig und auf einmal aus – ganz ohne Schichten. Das bisherige Problem war die optische Effizienz: Es war extrem viel Laserleistung erforderlich. Die Hauptautorin des Papers, Maria Isabel Álvarez-Castaño, bringt es klar auf den Punkt: Dieser neue Ansatz ist 70-mal effizienter als frühere holografische TVAM-Systeme.
Was sich dadurch erschließt: Biodruck in nahezu klinischem Maßstab mit kleinen, kostengünstigen Lasern – ganz ohne sichtbare Schichten (die sowohl das Auge stören als auch die Zellviabilität in biologischem Gewebe einschränken). Christophe Moser, Leiter des LAPD, hält schriftlich fest, dass die Methode „es endlich möglich macht, gewebeähnliche Strukturen in nahezu klinischem Maßstab zu biodrucken". Das System ermöglicht zudem den Einsatz selbstheilender Strahlen, die lebende Zellen durchdringen, ohne sie zu zerstören.
Es bleibt Grundlagenforschung – weder morgen noch in fünf Jahren ein marktreifes Produkt. Doch der Weg verkürzt sich monatlich. Zusammen mit der koreanischen Hornhaut aus Weekly #010 wird deutlich, wohin sich die Grenzen des Harz-3D-Drucks verschieben. Zum Bericht auf VoxelMatters →
💵 Industrie
💵 Stratasys übernimmt das FFF-Geschäft von Markforged für 42,5 Millionen Dollar
Am 27. Mai gab Stratasys die Übernahme des FFF-Geschäfts mit Endlos-Carbonfaser von Markforged bekannt, das bis dato eine Tochtergesellschaft von Nano Dimension war. Die Transaktion erfolgt in bar und beläuft sich auf 42,5 Millionen US-Dollar; der Abschluss ist für die zweite Hälfte 2026 geplant, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Stratasys übernimmt die FFF-Drucker, die Materialien sowie die Digital-Forge-Softwareplattform. Nano Dimension behält ausschließlich die Metal-Binder-Jetting-Linie.
Markforged erzielte 2025 einen Umsatz von rund 70 Millionen Dollar (einschließlich MBJ). Stratasys-CEO Yoav Zeif ordnete die Übernahme in den Kontext Verteidigung und Luft- und Raumfahrt ein. Es ist der logische Schachzug für ein Stratasys, das seit Jahren versucht, sich gegenüber dem Druck chinesischer Hersteller im Konsumbereich neu zu positionieren: Rückzug auf das professionelle Industriesegment mit Carbonfaser und Hochleistungswerkstoffen – genau das Terrain, das Markforged beherrschte.
Die Bewegung ist parallel zu der von UltiMaker mit der Factor 4 Plus, die wir im Weekly #010 behandelt haben: Die Branche teilt sich in drei Geschwindigkeiten auf. Geschlossenes Consumer-Cloud-Segment (Bambu, Anycubic, Creality), offenes Prosumer-Segment (Prusa, Snapmaker, Klipper) und vertikalisiertes Profi-Segment für Verteidigung/Luft- und Raumfahrt (UltiMaker, Stratasys+Markforged, Peopoly Giga 800). „Ein Drucker für alles" war gestern. Zur offiziellen Pressemitteilung auf Business Wire →
💬 Unser Wochenkommentar
Während sich die letzten Weeklys um die Bambu-vs.-OrcaSlicer-Seifenoper drehten, stehen diese Woche handfeste Produktneuheiten im Mittelpunkt – zwei große Launches am selben Tag. Bambu und Creality verfolgen dabei gegensätzliche Strategien: Bambu bringt eine sofort kaufbare Maschine mit einer Zubehör-Überraschung (Cricut-Modul) und einem klaren Consumer-/Familien-Fokus, während Creality Technologie präsentiert (KliTek + S-Drive) – noch ohne konkretes Gerät und sich technisch neu positioniert, kurz nachdem das Unternehmen die HKEX-Prüfung für seinen Börsengang bestanden hat.
Der Mehrfarb-Druckkrieg heizt sich auf allen Fronten auf: günstige Bedslingers, automatischer Düsenwechsel, Dual-Nozzle, AMS mit vier Spulen, Software-Farbmischung. Parallel dazu schreitet die Harz-Technologie auf zwei Wegen voran: Nachhaltigkeit (recycelbares Harz von Yokohama) und wissenschaftliche Präzision (holografisches volumetrisches Verfahren der EPFL). Für die deutsche Maker-Community war die Auswahl noch nie besser: so viel gute Hardware für so wenig Geld gab es nie zuvor. Wir bleiben derweil an vorderster Front: Harze, Filamente, kostenlose Tools und dieser Newsletter jeden Montag. 💪
❓ Häufige Fragen der Woche
Welchen Drucker soll ich kaufen: Bambu Lab A2L oder das Kombi-Paket mit AMS Lite?
Wer nur in einer Farbe druckt, kommt mit der A2L solo (469 USD / 379 EUR) bestens aus. Wer die 19 Mehrfarb-Fähigkeiten nutzen möchte, für die die Maschine konzipiert ist, greift zum A2L Combo mit AMS Lite (569 USD / 489 EUR). Der Aufpreis von 100 USD für Multimaterial vom ersten Tag an macht absolut Sinn. Die vollständige Produktanalyse findet sich in unserem Artikel zur A2L.
Wann erscheint der Creality-Drucker mit KliTek?
Creality hat bestätigt, dass das KliTek-System 2026 in ein Produkt einfließen wird, aber ein genaues Datum, ein konkretes Modell oder ein Preis sind noch nicht bekannt. Der offizielle Blogbeitrag vom 29. Mai ist ein technischer Teaser der Architektur – kein Produktlaunch. Wahrscheinlich sehen wir den ersten KliTek-Drucker vor der Formnext (November 2026).
Ist das recycelbare Harz von Yokohama bereits erhältlich?
Nein. Es handelt sich um akademische Forschung, die in ACS Omega vom Team um Professor Maruo veröffentlicht wurde. Es gibt weder eine kommerzielle Marke noch einen Preis oder eine Verfügbarkeit. Sollte die Industrie das Patent lizenzieren, könnte ein marktreifes Produkt in 3–5 Jahren folgen. Bis dahin bleiben Standardharze die praxistaugliche Wahl.
Was ist der Unterschied zwischen volumetrischem Druck und herkömmlichem MSLA?
Beim MSLA-Druck wird Schicht für Schicht UV-Licht auf eine FEP-Folie projiziert. Beim volumetrischen Druck wird das gesamte Bauteil auf einmal ausgehärtet, indem Licht aus mehreren Winkeln in ein Behältnis mit lichtempfindlichem Resin projiziert wird. Die Vorteile: keine sichtbaren Schichten, keine Stufeneffekte und Druckzeiten von Sekunden statt Stunden. Der Durchbruch der EPFL macht dies mit kleinen Lasern (150 mW) und einer 70-fach höheren Effizienz im Vergleich zu früheren Systemen möglich.