Diese Woche dreht der Multicolor-Krieg noch eine Runde höher: Die Flashforge Creator 5 wird bereits mit einem Werkzeugwechsel in 7 Sekunden ausgeliefert. Außerdem viel Grund zum Stolz: Das spanische Unternehmen 3Dresyn stellt ein Harz vor, das sich durch Wärme „auflöst" und neu drucken lässt, und die Universität Alicante präsentiert eine modulare 3D-gedruckte Prothese. Und noch mehr: OrcaSlicer integriert kostenlos eine Thermalsimulation, und das PTAB fällt ein gemischtes Urteil im Patentstreit zwischen Stratasys und Bambu Lab. Los geht's. 🔥
🔥 Highlight
🔧 Flashforge Creator 5: Tool-Changer mit 4 Druckköpfen – Wechsel in 7 Sekunden

Die Flashforge Creator 5 (649 $) und die Creator 5 Pro (799 $) werden bereits an die ersten Vorbesteller ausgeliefert. Ihre Geheimwaffe heißt FlashSwap: ein System mit vier wechselbaren Druckköpfen, das beim Farbwechsel nicht Filament ausspült – was zu Bergen von Abfallmaterial führt –, sondern den gesamten Druckkopf tauscht. Auf der Messe TCT Asia 2026 demonstrierten sie einen Live-Swap in nur 7 Sekunden.
Das Versprechen: bis zu 500 % schnellerer Mehrfarb-Druck und nahezu kein Purge-Abfall. Es ist ein anderer Ansatz als das AMS von Bambu oder das CFS von Creality – die beide das Filament in einem einzigen Druckkopf wechseln – und kommt der Tool-Changer-Philosophie von Druckern wie dem Prusa XL deutlich näher. Die Pro-Version ergänzt eine beheizte geschlossene Kammer (65 °C) sowie HEPA-Filterung, ausgelegt für technische Materialien wie ABS oder Nylon.
Das nährt weiter den Multicolor-Krieg, den wir seit Monaten verfolgen: den Bambu A2L und das KliTek von Creality in #011 sowie das Full Spectrum von Snapmaker in #012. Jeder Hersteller setzt auf eine andere Architektur, um dasselbe Problem zu lösen: Mehrfarbendruck ohne einen halben Filamentspule zu verschwenden. Die Geschwindigkeitsangaben („500 % schneller", 7-Sekunden-Swap) sollten wie immer als das bewertet werden, was sie sind: Herstellerdaten aus der Demonstration. Ein Schwachpunkt laut ersten Rezensionen: Der Düsenwechsel erfolgt weiterhin manuell per Schraube. Alle Details auf 3DPrinting.com lesen →
🧪 Materialien
🧪 3Dresyn präsentiert spanisches Kreislauf-Harz, das sich durch Wärme „auflöst"

Es ist immer erfreulich, wenn eine der interessantesten Neuigkeiten der letzten Wochen aus einem spanischen Unternehmen kommt. Die Firma 3Dresyn hat Circular RePrint Bio vorgestellt – ein depolymerisierbares Harz für Resin-Drucker (SLA/DLP/LCD, 385–405 nm) mit einer Eigenschaft, die wie Zauberei wirkt: Sie drucken ein festes Teil, und durch einen thermischen Auslöser wird es wieder zu wiederverwendbarer Flüssigkeit. Ein vollständiger Kreislauf – flüssig → fest → flüssig – ganz ohne Entsorgung.
Der Clou liegt in der depolymerisierbaren Chemie. Je nach Variante – DP80 oder DP150 – „löst sich" das Bauteil durch Erhitzen auf 80 °C bzw. 150 °C auf, wobei das Harz als Sirup zurückgewonnen und erneut zum Drucken verwendet werden kann. Die naheliegendsten Anwendungen sind Opferformen und Rapid Prototyping: drucken, verwenden, Material zurückgewinnen und von vorne beginnen. Das ist dieselbe Nachhaltigkeitsströmung, die wir im Weekly #011 mit dem recycelbaren Harz von Yokohama behandelt haben – diesmal aber mit spanischem Label und bereits im Handel erhältlich.
Jetzt kommt der Wermutstropfen: der Preis ist happig. Eine 1-kg-Flasche kostet rund 700 € (ca. 928 $), die biokompatible Variante schlägt sogar mit 833 €/kg zu Buche. Kerry Stevenson von Fabbaloo brachte es unverblümt auf den Punkt: „außerordentlich teuer für das, was es ist – ein Harz". Zu diesen Preisen ist es derzeit ein Produkt für sehr spezifische Nischenbereiche (Schmuck, Dental, F&E) und nichts für das Miniaturendruck-Wochenende. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war es auf der Herstellerwebsite bereits ausverkauft.
Dennoch zählt die Richtung. Dass ein spanisches Unternehmen Circular-Resin-Technologie vorantreibt – auch wenn sie anfangs teuer ist, wie jede neue Technologie –, ist genau die Art von Innovation, die die Branche voranbringt. Es bleibt spannend, die Entwicklung zu verfolgen. Wichtiger Hinweis: Preis und Leistungsangaben stammen vom Hersteller; unabhängige Praxistests liegen noch nicht vor. Zum Bericht auf Fabbaloo →
💻 Software
💻 OrcaSlicer integriert kostenlose Thermalsimulation von Helio Additive

Gute Nachrichten für alle, die FDM-Druck betreiben und bessere Ergebnisse erzielen möchten, ohne neue Hardware anschaffen zu müssen. Helio Additive hat seine Simulationsengine „Dragon" direkt in OrcaSlicer integriert: Per neuem Button „Slice with Helio" laden Sie den Druckauftrag in die Cloud und erhalten in unter einer Minute – und kostenlos – eine Thermalkarte des Bauteils, die zeigt, wo Überhitzung droht, wo die Haftung versagen könnte und welche Bereiche problematisch werden.
Das Ziel: vom klassischen „drucken und beten" zum „simulieren, anpassen und mit Köpfchen drucken". Sie geben einfach Drucker, Material und Kammertemperatur an, und das System liefert Ihnen einen visuellen Thermal Quality Index zurück. Die Simulation ist kostenlos; bezahlt wird nur, wenn das System die Druckgeschwindigkeiten automatisch optimieren soll. Helio hat nach eigenen Angaben bereits rund 45 Materialien charakterisiert und will bis Jahresende auf 250 kommen.
Eine erfreuliche Entwicklung für das OrcaSlicer-Ökosystem, das im Rechtsstreit mit Bambu Lab, den wir in Ausgabe #009 behandelt haben, so viel Aufmerksamkeit auf sich zog. Nach all dem Drama zeigt sich nun, wie der Open-Source-Slicer ernstzunehmende Funktionen auf Industrieniveau integriert – und das gratis. Man versteht, warum die Community so hinter ihm steht. Zum Bericht auf Fabbaloo →
💵 Industrie
💵 PTAB fällt gemischtes Urteil im Patentstreit zwischen Stratasys und Bambu Lab
Am 10. Juni verkündete das US-amerikanische Patent Trial and Appeal Board (PTAB) ein erstes Urteil im Rechtsstreit zwischen Stratasys – dem etablierten Schwergewicht im 3D-Druck – und Bambu Lab. Das Ergebnis fiel gemischt aus: Bestimmte Ansprüche eines Stratasys-Patents wurden für ungültig erklärt, während die eines anderen Patents bestehen blieben. Im Mittelpunkt stehen Technologien, die aus modernen 3D-Druckern kaum wegzudenken sind: Beheizbare Druckbetten und Purge-Towers finden sich in praktisch jedem aktuellen Gerät.
Wichtig zu wissen: Dies ist ein eigenständiges Kapitel, das nichts mit dem wochenlang verfolgten Bambu Lab-vs.-OrcaSlicer-Drama zu tun hat. Hier geht es nicht um Software oder Forks, sondern um einen Patentstreit zwischen zwei Herstellern. Stratasys wirft Bambu Lab die Verletzung patentierter Technologien vor; Bambu Lab kontert mit dem Argument, diese Patente seien von vornherein nicht schutzwürdig. Das PTAB hat nun beiden Seiten teilweise recht gegeben.
Eine abschließende Entscheidung ist noch lange nicht gefallen: Die endgültige PTAB-Entscheidung wird um den 14. Juli erwartet, und der Hauptprozess vor einem Gericht in Texas hat noch nicht einmal begonnen. Warum sollte das Maker-Community interessieren? Weil Stratasys im Erfolgsfall Basistechnologien wie beheizte Druckbetten blockieren könnte – mit möglichen Folgen für die Verfügbarkeit und Preisgestaltung der günstigen Drucker, die viele von uns täglich nutzen. Dieser Rechtsstreit verdient Aufmerksamkeit. Analyse bei 3D Printing Industry lesen →
🤖 Wissenschaft WTF
🤖 Universität Alicante druckt modulare 3D-Prothese
Zum Abschluss noch eine weitere bemerkenswerte Meldung aus Spanien. Die Forschungsgruppe BioFAB der Universität Alicante unter der wissenschaftlichen Leitung von Ingenieur Javier Esclapés hat eine modulare 3D-gedruckte Armprothese vorgestellt. Das Herzstück ist das modulare Konzept: Jedes Bauteil wird aus dem Material gefertigt, das seiner Funktion am besten entspricht – der hautnahe Schaft ist dabei biokompatibel und waschbar.
Der modulare Ansatz ist besonders clever, weil er Reparaturen und Anpassungen günstiger und schneller macht: Bricht ein Teil oder wächst der Nutzer (besonders relevant bei Kinderprothesen), wird nur dieses Modul neu gedruckt – nicht die gesamte Prothese. Diese Philosophie des zugänglichen medizinischen 3D-Drucks knüpft an die Grenzen der Biodruck-Technologie an, die wir im Weekly #010 mit der gedruckten menschlichen Hornhaut behandelt haben.
Dass dies aus einer spanischen Hochschule kommt, ist eine Erinnerung daran, dass 3D-Druck weit mehr ist als Miniaturen oder Schlüsselanhänger: Dieselbe Technologie, die zu Hause auf dem Schreibtisch steht, verändert echte Leben. Hut ab vor dem Team aus Alicante. Bericht auf 3DPrint.com lesen →
💬 Unser Fazit der Woche
Eine starke Woche mit spanischen Akzenten: Auf der einen Seite treibt 3Dresyn das Thema kreislauffähiges Harz voran – kostspielig, aber wegweisend – auf der anderen zeigt die Universität Alicante, wie 3D-Druck im medizinischen Bereich echten Unterschied macht. Zwei Geschichten dieser Qualität aus einem Land in einer einzigen Ausgabe – das ist keine Selbstverständlichkeit. Im Hintergrund laufen die bekannten Entwicklungen weiter: Der Mehrfarb-Druck bekommt mit Flashforge und seinem Tool-Changer einen neuen Mitspieler, OrcaSlicer wird durch Thermalsimulation intelligenter, und die Streitfront verlagert sich von Software-Forks hin zu Hardware-Patenten.
Das Muster bleibt dasselbe: Die Branche reift, wird nachhaltiger und gleichzeitig zugänglicher. Und das zunehmend mit spanischem Akzent. Wir bleiben an der Front: Harz, Filamente, kostenlose Tools und dieser Newsletter jeden Montag. 💪
❓ Häufige Fragen der Woche
Was ist ein depolymerisierbares Harz und wofür wird es verwendet?
Es handelt sich um ein 3D-Druckharz, das nach dem Drucken als Feststoff durch Wärmeeinwirkung (80 °C bzw. 150 °C im Fall des Circular RePrint Bio von 3Dresyn) wieder in wiederverwendbare Flüssigkeit umgewandelt werden kann. Es eignet sich vor allem für Opferformen und zirkuläres Prototyping: Sie drucken ein Bauteil, verwenden es und gewinnen das Material anschließend zurück, um erneut zu drucken. Der größte Nachteil ist derzeit der Preis: rund 700 € pro Kilogramm.
Welchen Vorteil hat ein Tool-Changer gegenüber einem AMS-System?
Ein Tool-Changer wie der FlashSwap des Flashforge Creator 5 wechselt den gesamten Druckkopf – inklusive bereits geladenem Filament – anstatt das Filament in einem einzigen Druckkopf zu spülen und neu zu laden. Der Vorteil liegt im deutlich geringeren Purge-Abfall und einer potenziell höheren Geschwindigkeit beim Mehrfarbendruck. Der Nachteil ist eine höhere mechanische Komplexität und in der Regel ein höherer Preis.
Wofür ist die thermische Simulation von Helio in OrcaSlicer gedacht?
Sie ermöglicht es, vor dem Drucken vorherzusagen, wo ein Bauteil überhitzen, sich verformen oder schlechte Schichthaftung aufweisen könnte. Sie laden den Auftrag direkt aus OrcaSlicer in die Cloud hoch und erhalten in weniger als einer Minute eine kostenlose Thermalkarte. Das hilft dabei, das Bauteil oder die Druckparameter anzupassen, bevor Sie Filament und Druckstunden für ein von vornherein zum Scheitern verurteiltes Ergebnis verschwenden.
Betrifft die Klage von Stratasys gegen Bambu Lab meinen Drucker?
Vorerst nicht direkt. Es handelt sich um ein laufendes Patentstreitverfahren zwischen zwei Herstellern, ohne abschließende Entscheidung – das endgültige PTAB-Urteil wird voraussichtlich um den 14. Juli 2026 erwartet. Das theoretische Langzeitrisiko besteht darin, dass Stratasys, sollte es Patente auf grundlegende Technologien wie Beheizbare Druckbetten durchsetzen können, die Entwicklung erschwinglicher Drucker verteuern oder erschweren könnte. Vorerst gilt: beobachten, nicht beunruhigen.