EDICIÓN #00918 May 2026

Mr Resin Weekly #009 — Bambu in der Krise, AB2047 und Creality an die Börse

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Mr Resin Weekly #009 — Bambu en crisis, AB2047 y Creality a Bolsa

Diese Woche ist die Branche gespalten: Auf der einen Seite steht Bambu Lab vor einer Reputationskrise, die das Unternehmen nicht mehr kontrolliert – angeführt von Jeff Geerling, Gamers Nexus und Louis Rossmann. Auf der anderen Seite verabschiedet Kalifornien im Ausschuss ein Gesetz, das alle 3D-Drucker zur Integration von Waffen-„Censorware" verpflichten würde. Außerdem: Creality kurz vor dem Börsengang, Peopoly präsentiert ein beeindruckendes Großformat-Monster, und Fabbaloo erklärt wasserlöslichem Resin den Krieg. Los geht's. 🔥

🔥 Destacado

💻 Bambu Lab in der Krise: Geerling, Gamers Nexus und Rossmann führen den Boykott an

Bambu Lab crisis de reputación tras el caso OrcaSlicer

Letzte Woche berichteten wir im Weekly #008, dass Bambu Lab dem Entwickler Paweł Jarczak eine Unterlassungserklärung geschickt hatte, weil er einen Fork von OrcaSlicer pflegte, der direkt mit Bambu-Druckern kommunizierte – ohne den Umweg über Bambu Connect. Was wie ein routinemäßiger Rechtsschritt aussah, hat sich zu einer der größten Reputationskrisen im Consumer-3D-Druck entwickelt. Der Streisand-Effekt in Reinform: Je mehr Bambu versuchte, das Thema zu begraben, desto größer wurde es.

Am 12. Mai veröffentlichte Jeff Geerling (1,07 Millionen YouTube-Abonnenten) das Video „Bambu Lab is abusing the open source social contract" – eine vernichtende Analyse darüber, wie Bambu vom Open-Source-Ökosystem profitiert – OrcaSlicer ist ein Fork von Bambu Studio, das wiederum ein Fork von PrusaSlicer ist, das wiederum ein Fork von Slic3r ist, allesamt unter AGPL-3.0 – und dann rechtliche Drohungen einsetzt, um die Community daran zu hindern, die Interoperabilität aufrechtzuerhalten. Gamers Nexus hostete den Fork mit Jarczaks ausdrücklicher Genehmigung neu, stellte 10.000 USD für die Rechtsverteidigung bereit – ebenso viel wie Rossmann – und kündigte den Wechsel zu Prusa an, wobei bereits 5.000 USD in neue Hardware geflossen sind. Louis Rossmann lud den Code am 14. Mai auf seine FULU Foundation hoch und forderte Bambu öffentlich heraus, ihn zu verklagen.

Die symbolträchtigste Geste kam von einem Mitbewerber: Snapmaker schenkte Jarczak eine U1 mit Open-Source-Klipper-Firmware, damit er weiterarbeiten kann, ohne auf Bambu angewiesen zu sein. Wenn ein konkurrierender Hersteller kostenlos Hardware schickt, damit jemand dem geschlossenen Ökosystem eines anderen Herstellers entkommt, ist die Botschaft an den Markt eindeutig. Für uns bleibt die grundlegende Frage dieselbe, die wir in Ausgabe #008 offen gelassen haben: Wem gehört Ihr Drucker, wenn Sie ihn einschalten? Im Jahr 2026 ist diese Frage längst keine rhetorische mehr.

Der Fairness halber sei gesagt: Es ist noch nicht vor Gericht gegangen. Bisher handelt es sich um öffentliche Erklärungen, Marktreaktionen und Sachspenden. Bambu argumentiert, dass der AGPL-Code keinen Zugang zur privaten Cloud-Infrastruktur gewährt, die durch eine separate Nutzungsvereinbarung geregelt ist. Jarczak hält dagegen, dass das Netzwerk-Plugin optional ist und sein Fork Bambu-Studio-Code wortwörtlich übernimmt. Es wird weitere Kapitel geben. Die vollständige Berichterstattung bei Tom's Hardware lesen →

⚖️ Regulación

⚖️ Kalifornien verabschiedet AB2047 im Haushaltsausschuss: 11 zu 4 Stimmen

Am 14. Mai verabschiedete der Haushaltsausschuss der kalifornischen Staatsversammlung das AB2047 („California Firearm Printing Prevention Act") mit 11 zu 4 Stimmen. Das von Abgeordneter Rebecca Bauer-Kahan eingebrachte Gesetz würde vorschreiben, dass jeder ab März 2029 in Kalifornien verkaufte 3D-Drucker einen vom staatlichen Justizministerium zertifizierten Algorithmus zur Erkennung von Waffenplänen enthalten muss. Die Deaktivierung dieser Sperrfunktion würde zur Ordnungswidrigkeit mit Bußgeldern von bis zu 25.000 USD pro Verstoß.

Für regelmäßige Leser des Weekly ist das kein neues Thema. In der #004 haben wir die Verteidigung der Electronic Frontier Foundation gegen genau diese Art von Gesetzgebung behandelt. Die EFF warnte im April mit einer Aussage, die jetzt besonderes Gewicht bekommt: AB2047 würde nicht nur „Zensur-Software" in alle 3D-Drucker erzwingen, sondern auch die Nutzung von Open-Source-Alternativen kriminalisieren. Was die EFF im April befürchtete, hat den Ausschuss im Mai passiert.

Das technische Problem ist für jeden, der je einen Drucker bedient hat, offensichtlich: Ein Algorithmus, der Dateien scannt und entscheidet, was gedruckt werden darf, erfordert per Definition eine Kontrollschicht über die Software. Das steht in direktem Widerspruch zu Klipper, OrcaSlicer, Marlin und dem gesamten Open-Source-Ökosystem, das Millionen von Makern – auch in Deutschland – täglich nutzen. Es ist dieselbe „offen vs. geschlossen"-Spannung, die den Fall Bambu prägt, diesmal jedoch per Gesetz aufgezwungen.

Betrifft uns das in Deutschland? Nicht direkt, aber Kalifornien setzt globale Regulierungstrends und die EU beobachtet die Entwicklung aufmerksam. Es lohnt sich, das im Blick zu behalten: Heute geht es um Waffen – die dabei aufgebauten Kontrollmechanismen werden auch für künftige Zwecke genutzt werden. Das Gesetzgebungsverfahren läuft weiter: Als nächstes steht die Abstimmung im Plenum der Staatsversammlung an. Analyse der EFF lesen →

💵 Industrie

💵 Creality kurz vor dem Börsengang: HKEX-Prüfung bestanden

Creality salida a Bolsa en el Hong Kong Exchange

Am 11. Mai bestand Creality die Konsultationsphase der Hong Kong Exchange – die letzte Hürde vor dem Börsengang. Der Börsenprospekt offenbart bisher geheime Zahlen: Der Umsatz 2024 betrug 2,288 Milliarden RMB (rund 318 Millionen US-Dollar), bei einer Bruttomarge von 30,9 % und einer Nettomarge von lediglich 3,9 %. Die vier Gründer halten weiterhin 82 % des Unternehmens, das über mehr als 900 Patente und 260.000 m² Produktionsfläche verfügt.

Die Nettomarge ist die Zahl, die die eigentliche Geschichte erzählt: 3,9 % ist hauchdünn. Creality verkauft enorme Stückzahlen (Ender, K1 und Kobra sind auf dem deutschen Markt allgegenwärtig), verdient aber kaum pro Einheit – unter dem Druck des Preiskampfs mit Bambu Lab und Anycubic. Das ist die Kehrseite der chinesischen Konsolidierung, die wir seit der #007 verfolgen, als Elegoo seine Finanzierungsrunde abschloss: Die Branche professionalisiert sich finanziell, aber die Verbrauchermarginen bleiben brutal eng.

Ein Detail, das mit der Hauptmeldung dieser Ausgabe zusammenhängt: Der Creality-Prospekt erklärt ausdrücklich, dass „im Wesentlichen alle" Drucker des Unternehmens modifizierbares Open-Source-Firmware verwenden. Mitten im Bambu-Sturm ist dieses Signal kein Zufall – es ist gezieltes Markenpositionierung. Prospekt-Analyse auf Fabbaloo lesen →

🔧 Hardware

🔧 Peopoly Giga 800: Großformat-FGF für 15.000 USD mit Klipper

Peopoly, bekannt durch die Magneto X und die Phenom-Reihe, wagt den Sprung in den Granulatdruck (FGF) mit der Giga 800: Bauvolumen 800×800×800 mm, Pellet-Extruder mit zwei Heizzonen, bis zu 3 kg pro Stunde und CoreXY-Bewegungssystem mit geschlossenen Servoregelkreisen. Einstiegspreis: 15.000 USD – gegenüber den üblichen 50.000–300.000 USD bei industriellen FGF-Maschinen.

Das Interessante im Kontext dieser Woche: Die Giga 800 läuft mit Open-Source-Firmware Klipper und verfügt über einen Air-Gap-Modus (vollständig vom Internet getrennt), konzipiert für Verteidigung, Luft- und Raumfahrt sowie F&E-Zentren, die keine Daten in die Cloud übertragen dürfen. Während Bambu die Cloud-Kontrolle weiter verschärft, setzt Peopoly auf das genaue Gegenteil – ein offenes Ökosystem ohne Telemetrie – und macht daraus ein Verkaufsargument. Open Source ist keine „Bastler-Option" mehr; es ist ein Verkaufsmerkmal bei 15.000-Dollar-Maschinen.

Für den durchschnittlichen deutschen Betrieb ist das kein direkter Kauf, aber ein klares Signal, wohin sich der professionelle Markt bewegt: Pellets zu einem Zehntel der Filamentkosten und eine Firmware, die Sie selbst kontrollieren. Details bei Fabbaloo ansehen →

🧪 Materialien

🧪 Fabbaloo: Wasserlösliches Resin sollte verschwinden

Wasserlösliches Resin bleibt unausgehärtet toxisch

Kerry Stevenson (Fabbaloo) verfasst eine provokante Kolumne, die eine Diskussion verdient: Wasserlösliches Resin ist seiner Meinung nach irreführendes Marketing. Das Argument ist stichhaltig. Die Toxizität von Resin liegt im Fotopolymer selbst – nicht im Lösungsmittel, mit dem Sie es reinigen. Schmutziges Wasser mit unausgehärtetem Resin bleibt gefährlicher Abfall, verdunstet langsamer als Isopropylalkohol und erzeugt – am bedenklichsten – ein falsches Sicherheitsgefühl, das unerfahrene Anwender dazu verleitet, auf Schutzausrüstung zu verzichten.

Für die Mr Resin-Community ist das wirklich relevant. Sehr viele Menschen, die Miniaturen drucken, verwenden wasserlösliches Resin genau deshalb, weil sie es für „sicherer" oder „sauberer" halten. Die Realität: Es bleibt Resin, es bleibt unausgehärtet toxisch, und das verunreinigte Wasser, das Sie in den Abfluss leiten, kann deutlich schlechter entsorgt werden als ein gut gefiltertes und wiederverwendetes IPA-Gefäß. Das deckt sich mit den Sicherheitsrichtlinien, die wir in Ausgabe #001 behandelt haben.

Es handelt sich um einen redaktionellen Beitrag, nicht um eine wissenschaftliche Studie – aber er ist gut begründet und sollte beachtet werden. Egal mit welchem Resin Sie arbeiten: PSA (Nitrilhandschuhe, Schutzbrille, Belüftung) und die ordnungsgemäße Entsorgung von Resinabfällen sind keine optionalen Maßnahmen. Verbrauchsmaterial für die Nachbearbeitung finden Sie in unserem Bereich Alkohol & Nachbearbeitung. Die vollständige Kolumne bei Fabbaloo lesen →

💬 Unser Fazit der Woche

Diese Woche treffen drei Entwicklungen mit ungewöhnlicher Wucht aufeinander. Erstens: Die Debatte offen vs. geschlossen polarisiert öffentlich. Bambu verliert an Sympathie, während Snapmaker (das einen Entwickler mit einer U1 Klipper beschenkt), Prusa (zu dem Gamers Nexus gerade wechselt) und Peopoly (das Klipper als Verkaufsmerkmal bewirbt) an Boden gewinnen. Das offene Ökosystem ist zu einem handfesten Verkaufsargument geworden – und nicht mehr nur eine Nische für Bastler.

Die zweite: Die Regulierung wird mit dem AB2047 von einer Bedrohung zur gesetzgeberischen Realität. Und die dritte: Das Kapital ordnet sich neu — Creality strebt mit hauchdünnen Margen an die Börse. Wenn #008 der Auslöser war, ist #009 die Schockwelle. Unsererseits bleiben wir im Einsatz: Harz, kostenlose Tools und dieser Newsletter, damit Sie nicht jede Woche acht Blogs lesen müssen. 💪

❓ Häufig gestellte Fragen der Woche

Was ist zwischen Bambu Lab und OrcaSlicer genau passiert?
Bambu Lab schickte dem Entwickler Paweł Jarczak eine Unterlassungsaufforderung wegen eines OrcaSlicer-Forks, der die Verbindung zu Bambu-Druckern ohne Bambu Connect — die obligatorische Cloud-Schicht der Marke — ermöglichte. Der Entwickler stellte das Projekt ein, doch die Community reagierte mit einem Boykott, angeführt von Jeff Geerling, Gamers Nexus und Louis Rossmann.

Was ist der AB2047 aus Kalifornien und betrifft er mich in Deutschland?
Es handelt sich um einen Gesetzesentwurf, der alle in Kalifornien verkauften 3D-Drucker verpflichten würde, einen zertifizierten Algorithmus einzubauen, der den Druck von Waffen blockiert. Deutschland ist nicht direkt betroffen, aber Kalifornien setzt globale Regulierungstrends — und die EU beobachtet solche Präzedenzfälle genau. Es ist noch kein Gesetz: Der Entwurf muss noch die Vollversammlung passieren.

Ist Water-Washable-Harz sicherer als normales Harz?
Nicht unbedingt. Laut einer Analyse von Fabbaloo wird die Toxizität durch das Fotopolymer verursacht, nicht durch das Reinigungslösungsmittel. Water-Washable-Harz ist im unausgehärteten Zustand nach wie vor giftig, und das kontaminierte Wasser gilt als Sondermüll. Schutzausrüstung — Nitrilhandschuhe, Schutzbrille, ausreichende Belüftung — ist bei jeder Art von Harz Pflicht.

Was bedeutet „Open-Source-Firmware" bei einem 3D-Drucker?
Es bedeutet, dass die Software, die den Drucker steuert (wie Klipper oder Marlin), quelloffen ist: Jeder kann sie einsehen, verändern und anpassen. Der Vorteil ist vollständige Kontrolle ohne Abhängigkeit von der Cloud eines Herstellers; der Nachteil ist, dass mehr technisches Know-how erforderlich ist. Dies ist der Kern der dieswöchigen Debatte „offen vs. geschlossen".

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Häufige Fragen zu Mr Resin Weekly

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